Signal
an den ländlichen Raum

Für uns „am Land“ bietet der Tourismus die einzige Arbeits- und Einkommensgrundlage. Alternativkonzepte mögen gut fürs Image sein. Aber sie bilden keine realistische Grundlage, um unserer Bevölkerung ein wirtschaftliches Auskommen zu ermöglichen. Ein Projekt wie jenes der Skigebietsverbindung von Pitztal und Ötztal sichert dagegen Existenzen. 

Kommentar Ernst Schöpf

In den Ballungszentren und in den Speckgürteln unseres schönen Landes wird mit großer Selbstverständlichkeit nach infrastruktureller Entwicklung gerufen. Den Tälern soll dieser Fortschritt – wenn es nach dem Willen der Gegner einer Skigebiets-Verbindung geht – aber verwehrt bleiben. Die Argumente für diese Verhinderungshaltung lassen teils jegliche Verhältnismäßigkeit vermissen. Dabei geht es um lediglich 0,6 % der gesamten Gletscherflächen in St. Leonhard und in Sölden, die für die geplante Verbindung benötigt würden. Also geringfügig mehr als ein Zweihundertstel der Gletscher! Gleichzeitig hat Sölden als flächenmäßig größte Kommune Österreichs 81,34 % seiner Gemeindefläche unter Schutz gestellt (gemäß Natura 2000). Auf lediglich 3 % der Gemeindefläche befindet sich Siedlungs- und Wirtschaftsraum inklusive der Skigebietsflächen. Wir erhalten damit aktiv den allergrößten Teil unseres Lebensraums als unberührte Weiten.

In anderen Alpenregionen ist die durch Perspektivlosigkeit verursachte Entsiedelung täglich beobachtbar. Genau davor müssen wir die Menschen in unseren Tiroler Tälern bewahren. Vielmehr sollten wir ihnen eine Chance zur Selbstentfaltung geben. Mit dem erhobenen Zeigefinger geführte Sonntagsreden einer selbst ernannten Öko-Elite dienen dem ländlichen Raum und ganz besonders dem Pitztal nicht. Vielmehr untergraben diese wohlgemeinten Ratschläge die Zukunftsaussichten unserer Bevölkerung am Land. Wer sich heute gegen Projekte wie Pitztal-Ötztal ausspricht, votiert letztlich für die Schwächung der Täler. Daraus resultiert ein noch stärker aufgeheizter Immobilienmarkt in Innsbruck und im Inntal. Denn mangels Chancen vor Ort wandern die Menschen zuerst in die urbanen Zentren ab. Was letztlich den fatalen Wettbewerb um knappen Wohnraum in den Städten weiter verschärft.

Pitztal-Ötztal, das ist mehr als das vordergründig touristische Projekt. Vielmehr markiert es eine Richtungsentscheidung: Wollen wir Tirols Tälern eine Entwicklung aus eigener Kraft zugestehen? Oder steuern wir sie in die Abhängigkeit von öffentlichen Fördermitteln, mit denen wenige Tapfere zum Ausharren in den Bergen motiviert werden sollen? Wer wahrhaft nachhaltig denkt, kennt die richtige Antwort, meint …

Ernst Schöpf
Bürgermeister von Sölden
Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes

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